Normalerweise wird der Planer mit der Ausschreibung der einzelnen Roh- und Ausbaugewerken und der Bauleitung beauftragt. Jedoch wollen zur Zeit immer mehr private Bauherren die Kosten hierfür "einsparen" und die Sache selber in die Hand nehmen. Da dürfte auch die HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) eine große Rolle spielen. Ich kann aus langjähriger Erfahrung diese Vorgehensweise auf keinen Fall empfehlen, wenn diese Bauherren nicht wenigstens einen "Fachmann" in der Hinterhand haben, der ihnen während der gesamten Bauphase mit Rat und Tat zur Seite steht. Sonst können schnell die möglichen Mehrkosten für Nachträge nichtbeauftragter Leistungen, für Mängelbeseitigungen, für Terminüberschreitungen und eventuelle Kosten für langwierigen Gerichtsverfahren (Gutachter, Rechtsanwälte, ...) das "Ersparte" um das Vielfache übersteigen. Das dürfte weder für Ihre Nerven noch für Ihren Geldbeutel erstrebenswert sein.
Diese Punkte sollten unbedingt beachtet werden!
HINWEIS: Diese Tipps können Sie als "gezippte" Worddatei hier downloaden.
Die Rohbauarbeiten sind immer noch der größte Kostenfaktor aller einzelnen Baugewerke, aber auch mit dem zur Zeit besten Preis - Leistung - Verhältnis. Grund hierfür ist die Zeit Jahren andauernde, schlechte Auftragslage im Bauhauptgewerbe. Nur mit einer einheitlichen Leistungsbeschreibung ist eine optimale und objektive Prüfung der Angebote möglich. Spätere Streitereien über den beauftragten Leistungsumfang können dann sofort ausgeschlossen werden. Erd- und Rohbauarbeiten immer zusammen ausschreiben und auch zusammen beauftragen. Sie haben dann nur einen Ansprechpartner und es gibt keine Probleme mit der Koordinierung und der Ausführung der Erdarbeiten. |
Der Sitz des Unternehmens sollte nicht weiter als 20 km entfernt sein: Höhere Anfahrtskosten bedeuten höhere Baupreise, Kenntnisse der Örtlichkeiten (Behörden, Versorger für Bauwasser u. Baustrom, Baustoffhändler, ...) werden sich bei der Preisgestaltung positiv bemerkbar machen. Als Abgabetermin sollten 2 Wochen nicht unterschritten werden. Geben Sie auch unbedingt Termine für die Bauzeiten an. Hier reichen Zirka - Wochenangaben aus: Nur so kann der Bauunternehmer vernünftig disponieren und kalkulieren. Erfahrungsgemäß werden nicht Alle ein Angebot abgeben. Rufen Sie diese Firmen trotzdem an und fragen Sie freundlich nach dem Grund hierfür: Oft kommt es vor, dass man im Alltagsstress den Abgabetermin einfach vergessen hat. - Bedenken Sie: - Je mehr Angebote um so besser - |
Nach Durchsicht der Angebote werden Sie sich mit Garantie über die großen Preisdifferenzen wundern. Die Kosten für die Leistungsbeschreibung haben Sie auf jeden Fall wieder raus. Preisspiegel: Linke Spalte die einzelnen Positionen, nächste Spalten die Einheitspreise der einzelnen Firmen: Bei dieser Vorgehensweise können extreme Preisdifferenzen bei den Einzelpositionen sofort festgestellt und nachgefragt werden. Bei fehlenden Einheitspreisen fragen Sie nach dem Grund hierfür. Sagen Sie den anderen Firmen zu diesem Zeitpunkt auf keinen Fall ab, wenn diese sich über das Ergebnis der Ausschreibung erkundigen wollen. |
Nehmen Sie sich vorher um Himmelswillen die Zeit und holen Sie sich Informationen über diese Firmen ein. Die Insolvenz in der Baubranche ist zur Zeit besonders hoch. (Creditreform, zuständige Handwerkskammer, Ihr Planer, ...) Auch die Besichtigung von derzeit laufenden Baustellen der Firmen und Gespräche mit den entsprechenden Bauherren können wertvolle Informationen bringen. Seriöse Baufirmen, die nichts zu verbergen haben, dürften Ihnen hierbei keine Schwierigkeiten machen. Sollten jetzt doch Bedenken gegen eine Firma auftauchen, streichen sie diese sofort aus Ihrer engeren Auswahl und lassen Sie die nächstgünstige Firma nachrücken. Bei den Auftragsverhandlungen sollte auf jeden Fall Ihr "Fachmann" anwesend sein. Klären Sie alle offenen Fragen, ein vorher erstellter Fragebogen könnte nützlich sein. Ein Preisnachlass von mindestens 3% dürfte immer drin sein. Der Text des Bauvertrages möglichst in 2facher Ausfertigung muss bereits bei den Verhandlungen vorliegen um eventuelle kleinere Änderungswünsche aufnehmen zu können. Geben Sie dem Unternehmer für die Durchsicht genügend Zeit. Geben Sie bei Änderungen dem Bauunternehmer ein Exemplar mit. Ihres für eventueller Beauftragung gut aufbewahren. Machen Sie keine voreiligen Zusagen bis Sie mit allen geladenen Firmen gesprochen haben. |
Zwischen Auftragsverhandlung und Auftragsvergabe sollte nicht mehr als eine Woche liegen. Viele Bauherren haben Probleme sich zu entscheiden. Der eine Bauunternehmer war einem besonders sympathisch, konnte sich gut verkaufen, war aber etwas teurer, während der Andere eher ein ruhigerer Wesensart hatte und dafür am günstigsten war. Besonders Frauen sind hier sehr beeinflussbar. Weitere Verzögerungen könnten auch die ganze Terminplanung über den Haufen werfen: Eine Dispositionszeit für den Bauunternehmer von 4 Wochen sind branchenüblich. Der eventuell überarbeitete Bauvertrag in 2-facher Ausfertigung wird in Anwesenheit beider Parteien unterschrieben. Vergessen Sie nicht, allen anderen Baufirmen freundlich abzusagen: Die Kalkulation eines Angebots kostet den Unternehmer viel Zeit und er muss ja auch für seine weitere Dispositionen Klarheit haben. |
Führen Sie ein privates Bautagebuch, wo Sie alle wichtigen Termine wie Baubeginn, Betonieren der Decken, .. eintragen, notieren Sie sich besondere Ereignisse, Schlechtwetterperioden, usw. Machen Sie möglichst viele Fotos. Man kann ja nie wissen. Ein besonders gut gelungenes Bautagebuch finden Sie auf der Homepage der Familie Dieckmann. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, lautet ein Sprichwort. Anfangs ist gegen ein gesundes Misstrauen ist nichts einzuwenden, aber vermeiden Sie es möglichst, Ihren Bauunternehmer ständig als potenziellen Betrüger und Pfuscher anzusehen und entsprechend zu behandeln. Das ist einem guten Vertrags- und Arbeitsklima nicht besonders förderlich. Unterlassen Sie tägliche, telefonische Anrufe bei Ihrem Bauunternehmer nach 20 Uhr, nur um zu erfahren, wie der Baufortschritt ist. Das nervt ungemein. Bei wirklich wichtigen Fragen sollten Sie einen Termin vor Ort vereinbaren. Sie sollten sich aber vorher an Ihren "Berater" wenden, bevor Sie sich vor Ort mit Ihren Fragen eventuell blamieren. Jede wirtschaftlich arbeitende Baufirma ist schon aus Kostengründen bestrebt, Ihr Bauvorhaben möglichst schnell und ohne Mängel abzuwickeln. Sprechen Sie ab und zu ein Lob aus und Sie werden sich wundern, welche positive Auswirkungen das haben kann. Vergessen Sie aber nie, dass Sie der Auftraggeber sind, der definitiv alle Leistungen bezahlt. Die Kunst einer "guten Bauleitung" ist es, zwischen beiden Vertragspartnern, während der Bauphase, ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis aufzubauen. Erst erbrachte Leistung des Auftragnehmers, dann Geldleistung vom Auftragsgeber |