Nutzung von Regenwasser

- Empfehlungen zur Nutzung im Privaten Haus und Garten -

 

Mit Regenwasser Wasser sparen?

Eigenheimbesitzer können neben technischen Maßnahmen zum Wassersparen, wie z.B. Reduzierung der Spülmengen bei Toiletten, die Nutzung von Regenwasser als Alternative zum Trinkwasser in Betracht ziehen, denn für viele Einsatzbereiche im Haus ist keine Trinkwasserqualität erforderlich. Zum Blumengießen oder für die Toilettenspülung wird ebenso wenig Trinkwasser benötigt wie bei Reinigungsarbeiten. 
Regenwassernutzung ist längst nicht mehr eine Alternative nur für Grüne oder Öko-Freaks. Etwa 100.000 Regenwassernutzungsanlagen soll es in Deutschland bereits geben. Hinzu kommen noch die Millionen Regentonnen, die unter den Dachrinnen stehen. Sie sind praktisch die primitivste Form der Regenwassernutzung.
In manchen Neubaugebieten ist heute die Installation einer Regenwassernutzungsanlage bereits vorgeschrieben. 

So wird Wasser gespart u. zugleich verhindert, dass durch die zunehmende Oberflächenversiegelung bei jedem Regenguss riesige Wassermengen durch die Kanalisation abfließen. Die vielen Regenwasserspeicher dienen hierbei als kleine Puffer, die einen Teil der Fluten erst einmal aufnehmen u. so die Kanalisation entlasten. Bei flächendeckendem Bau von Regenwassernutzungsanlagen könnten so die Kosten der Gemeinden für zusätzliche Kanalrohre u. aufwendige Wasserrückhaltebecken reduziert werden.

Wie viel Wasser lässt sich durch Regenwasser sparen?

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Trinkwasser lag 1950 in der Bundesrepublik bei 85 Litern. Er ist vor allem in den sechziger und siebziger Jahren stark gestiegen und stagniert seit Mitte der achtziger Jahre. Zur Zeit sind es 145 Liter, die jeder täglich verbraucht.

Nur etwa 2 bis 3 Prozent dieses Wasserverbrauchs werden jedoch tatsächlich zum trinken und für die Nahrungszubereitung verwendet.

Der überwiegende Teil des Trinkwassers geht für das Händewaschen sowie für das Duschen und Baden, für die Toilettenspülung und für Reinigungsarbeiten drauf. 

Auch die Gartenbewässerung im Sommer verschlingt eine beachtliche Menge, die jedoch je nach Größe und Bepflanzung stark variieren kann. Im Schnitt sind es etwa 5 Liter pro Tag und Person.

Ungefähr die Hälfte des täglichen Trinkwasserverbrauchs ließe sich durch Wasser geringerer Qualität ersetzen.

Zirka
80 Liter Trinkwasser lassen sich pro Tag und Kopf einsparen, wenn man sämtliche Sparpotentiale nutzt.

Wasserqualität

Die Qualität des Wassers aus einer Regenwassernutzungsanlage hängt von einigen Faktoren ab. 

Da wäre zunächst einmal die Belastung des Regenwassers durch Luftverunreinigungen mit Mikroorganismen, organischen und anorganischen Schadstoffen.

Trinkwasser liegt im neutralen Bereich, Regenwasser ist leicht sauer.

Aber schon eine Reaktion mit den meist basischen Dachabdeckungen wie Ziegel, Bitumen, Schiefer oder Beton verschiebt sich der pH-Wert des Dachablaufwassers in den neutralen  bis leicht säuerlichen Bereich.

Wasserqualität in Abhängigkeit von der Regenwasserauffangfläche

Die Merkmale der Auffangflächen tragen ebenfalls mit zur Wasserqualität bei.

Übliche Steildächer bei Einfamilienhäusern bereiten keine Probleme.

Auf Ihnen lagert sich wenig Schmutz ab, und wenn sie mit Dachziegeln, Betonsteinen oder Schiefer gedeckt sind, kann auch vom Material keine Gefährdung der Wasserqualität ausgehen.

Kritischer sind Flachdächer zu beurteilen,

bei denen es schnell zu Schmutzablagerungen und Feuchtigkeitsnestern kommen kann, in denen sich vor allem im Sommer leicht Keime entwickeln.

Bei bitumengedeckten Flach- u. Steildächern nimmt das Regenwasser häufig eine Gelbfärbung an, die beim Wäschewaschen zu Verfärbungen führen kann. Für die Toilettenspülung und für die Gartenbewässerung ist das Ablaufwasser jedoch brauchbar.

Vor allem bei neugedeckten Dächern aus Metall (Aluminium, Zink, Blei und Kupfer) ist ein erhöhter Metall- und Schwermetallgehalt festzustellen. Hier scheidet die Waschmaschine ebenso wie Gartenbewässerung für die Regenwassernutzung aus. In der Toilette stört der erhöhte Metallgehalt jedoch nicht.

Völlig ungeeignet für das Auffangen von Regenwasser sind gepflasterte Höfe und Wege, weil hier noch die Belastung durch den Verkehr (zum Beispiel Reifenabrieb) hinzukommt.

Diese Punkte sollten unbedingt bereits bei der Planung beachtet werden!!!

 

Wasserqualität in Abhängigkeit von Wasserspeicher und Filter

Auch die Größe und Ausführung des Wasserspeichers hat Auswirkungen auf die Wasserqualität. Lichteinstrahlung und erhöhte Temperaturen sind günstige Bedingungen für Keim- und Algenwachstum und die Bildung unangenehmer Gerüche. Ein zu groß bemessener Wasserspeicher, dessen Füllmenge kaum umgewälzt wird, kann für die Entwicklung der Mikrolebewesen förderlich sein und verursacht nebenbei unnötig höhere Anschaffungskosten. Hier lässt sich jedoch durch Einbringen geeigneter Füllkörper wie Betonsteine das nutzbare Volumen verringern und dadurch die Wasserumwälzung vergrößern.

Die Ausführung der Filter für die Grobreinigung vor der Speicherung, sowie ein Feinfilter nach der Pumpe beeinflussen ebenfalls die Wasserqualität. Kies und Sandfilter mit dicker Filterschicht haben zwar einerseits eine sehr gute Filterwirkung und einen guten Wirkungsgrad, jedoch dauert es lange, bis sie austrocknen und eingespülte Keime absterben.
Filter aus dünnem, feinmaschigem Draht sind dagegen im Nu wieder trocken, so dass auch Kleinlebewesen keine lange Überlebenschance haben. Richtig konstruiert und ausgewählt sind solche Filter selbstreinigend, sie haben jedoch einen etwas geringeren Wirkungsgrad als Filtertöpfe mit dicken Sand- oder Kiesschichten.

 

Bei normaler Belastung der Luft, geeigneten Auffangflächen und einer richtig konstruierten und dimensionierten Regenwassernutzungsanlage sind die Gefahren einer hygienisch bedenklichen Verunreinigung des Regenwassers sehr gering.

 

Vorschriften für Regenwassernutzungsanlagen

Bei der Errichtung von Regenwassernutzungsanlagen sind eine Reihe von Vorschriften und Genehmigungsverfahren zu beachten. Da die Bauvorschriften Landesgesetze sind und es zusätzlich noch örtliche Besonderheiten gibt, die meist in Form der Wasser- und Abwassersatzungen festgelegt sind, können hier nur allgemeine Aussagen gemacht werden.

Bei Neubauten muss im allgemeinen zum Bauantrag ein Grundstücksentwässerungsplan mit eingereicht werden. Dieser wird vom zuständigem Tiefbauamt geprüft.

Der nachträgliche Einbau einer Regenwassernutzungsanlage ist für Eigenheimbesitzer genehmigungsfrei. Theoretisch müssen sie dem zuständigen Wasserversorgungsunternehmen gemäß den „Allgemeinen Bedingungen für die Versorgung mit Wasser" (AVBWasserV) die Errichtung einer Eigengewinnungsanlage, wie es im Amtsdeutsch heißt, anzeigen.

Auch wenn manche Wasserwerke die private Konkurrenz nicht gerne sehen, verhindern können sie den Bau einer Regenwassernutzungsanlage jedoch nicht. In den Tarifbedingungen gibt es zwar einen Anschluss- und Benutzungszwang für Trinkwasser. Es ist jedoch nicht vorgeschrieben, dass Sie auch für die Toilettenspülung oder Gartenbewässerung Trinkwasser benutzen müssen.

Die AVBWasserV

Nach dieser Verordnung dürfen wesentliche Änderungen von Trinkwasser-Hausinstallationen nur durch ein Wasserversorgungsunternehmen oder einen Installateur vorgenommen werden.

Für die Errichtung einer Regenwassernutzungsanlage heißt das, der Anschluss für die Trinkwassernachspeisung mit freiem Auslauf muss von einem Installateur ausgeführt werden.

Regenwasserzulauf, Filter, Sammelbehälter, Pumpe und Regenwasserleitungen im Haus hingegen kann der Hausbesitzer selber installieren, denn diese Einrichtungen gehören nicht zur Trinkwasser-Hausinstallation.

Allerdings sollte man dabei die geltenden DIN-Vorschriften beachten. Insbesondere die DIN 1988, in der festgelegt ist, dass keine Verbindung zwischen Trinkwasserleitungen u. Regenwasserleitungen entstehen darf. Für die Trinkwassernachspeisung ist deshalb ein freier Auslauf mit 20 mm Freiraum zu verwenden. Die Entnahmestellen für Regenwasser u. Rohrleitungen (DIN 2403) sind deutlich zu kennzeichnen, damit keine Verwechslungen entstehen können. 

Außerdem ist für den Anschluss des an die Kanalisation die DIN 1986 zu beachten, denn nur in den seltensten Fällen wird man das überlaufende Regenwasser auf dem eigenen Grundstück versickern lassen können. Aus ökologischer Sicht wäre das jedoch die sinnvollste Lösung.

Zur Berechnung der Abwassergebühren gehen immer mehr Gemeinden dazu über, zwischen Wasserspeicher und Pumpe eine Wasseruhr zu setzen. Die finanziellen Einsparungen durch die Regenwasseranlage reduzieren sich entsprechend und die Amortisationszeit verlängert sich.

Hier ist wieder einmal der Ehrliche der Dumme. Aber musss man immer dumm sein?