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(Für
junge Bauleiter, aber auch für Bauherren)
Als
Bauleiter kritisieren Sie oftmals die Arbeit Anderer. Dies wird das
Selbstwertgefühl des Kritisierten immer beeinflussen. Auch wenn er es nicht
zeigt, empfindet er Verärgerung und reagiert mit Widerstand. Vorangegangener
Stress kann die Aggression freisetzen. Zwar können Sie dies nicht ändern, aber
Sie können versuchen, solches Verhalten zu verstehen und sein Zustandekommen
mit Ihrer Reaktion berücksichtigen.
Müssen
Sie deutliche Kritik an der Leistung anderer üben, so tun Sie dies möglichst
unter vier Augen. Achten Sie darauf, dass keine anderweitigen Tätigkeiten
nebenher ausgeübt werden und dass direkter Blickkontakt möglich ist.
Schildern Sie den Sachverhalt ohne Unterstellungen oder überflüssige
Belehrungen. Vergleichen Sie den Ist-Zustand mit dem Soll-Zustand und legen Sie
die erforderlichen Maßnahmen fest. Notieren Sie das Ergebnis in Stichworten.
Um
bei erforderlicher Kritik den anderen nicht sofort in eine Abwehrhaltung zu
treiben, kann man mit anerkennenden Worten beginnen. Machen Sie ihm klar, dass
unter diesen Umständen (Termindruck, Wetter, Enge, Pläne unklar,
Lieferprobleme) jedem so ein Fehler unterlaufen könnte. Teilen Sie ihm mit,
dass im großen und ganzen die Arbeit völlig in Ordnung ist. Äußern Sie Ihr
grundsätzliches Vertrauen in seine Leistung.
Jeder
möchte in einer Auseinandersetzung derjenige sein, der recht behält. Darum
gesteht es
niemand gerne ein, dass er sich geirrt hat, zumal dies oft als
Nachgeben und damit als Schwäche gesehen wird. Einen einmal bezogenen
Standpunkt aufzugeben stört die Selbstachtung. Lassen Sie Ihrem Gegenüber
daher die Möglichkeit, sein Gesicht zu wahren. Dies gilt um so mehr, wenn
andere anwesend sind.
Damit
bei notwendigen Korrekturen Ihr Gegenüber das Gesicht wahren kann, können Sie
versuchen ihn die Korrektur selbst vornehmen zu lassen, indem Sie ihn nur an das
Problem heranführen: "Ich lese diesen Plan folgendermaßen...
wie verstehen Sie das Detail hier?" Hierdurch lassen Sie den Fehler
gering erscheinen und dramatisieren nicht gleich das Ausmaß der Folgen, so dass
der andere nicht entmutigt wird, sondern künftig weitere Misserfolge vermeidet.
Anordnungen,
die den Betroffenen zu einem Mehraufwand veranlassen sollen, brauchen
Durchsetzungskraft und Autorität. Dies kann durch Persönlichkeit, Auftreten,
Fachwissen und Erfahrung erreicht werden. Die wirtschaftliche Macht durch das
Erteilen von Prämien oder Kürzungen (Lob oder Tadel) wirkt dabei unterstützend.
Gespräche
über Privates, Intimes oder Witzeleien können die Autorität reduzieren. Es
kann eine kumpelhafte Atmosphäre entstehen, die bei der Durchsetzung von
Forderungen hinderlich ist. Verhalten Sie sich lieber zurückhaltend und
reserviert und vermeiden Sie das Duzen. Lehnen Sie größere Einladungen stets
ab (natürlich ist eine Tasse Kaffe kein Problem.)
Auf
Bildung und akademische Grade kann man zurecht stolz sein. Auf der Baustelle müssen
Sie sich aber auf Ihre Gesprächspartner einstellen. Das jeweils niedrigere
Niveau ist dabei maßgebend, wenn Sie verstanden werden wollen. Passen Sie
Sprache und Inhalte daran an, denn für akademische Betrachtungen haben Ihre
Gesprächspartner unter Umständen wenig Verständnis.
Sprechen
Sie langsam und in kurzen, einfachen Sätzen. Halten Sie dabei Blickkontakt zu
der angesprochenen Person. Weisen Sie niemanden an, der herumläuft, arbeitet
oder Sie nicht ansieht.
Versteht
Ihr Gegenüber Sie nicht, wiederholen Sie das Gesagte in aller Ruhe. Notieren
Sie Ihre Forderungen stichwortartig und händigen Sie einen Durchschlag aus.
Schreiben Sie jedoch niemals so viel, dass einzelne Punkte in der Menge
untergehen.
Ist
eine Diskussion unvermeidlich, verzichten Sie auf Formulierungen, die den
anderen
herabwürdigen: "das macht man schon seit Jahrzehnten nicht
mehr", "Sie haben es immer noch nicht verstanden", "Ich erkläre
Ihnen das jetzt schon zum dritten mal", "Ich weiß schon, was Sie
sagen wollen" usw. Damit schaffen Sie eine Stimmung des Widerstandes.
Stattdessen wollen Sie aber, dass der andere für Ihre Argumente offen ist.
Wiederholen
Sie Ihre Forderungen, ohne dabei ungehalten oder gar wütend zu werden.
Trainieren Sie die Fähigkeit, keine Rechtfertigungen, Begründungen oder
Entschuldigungen für Ihre Forderungen zu nennen. Versuchen Sie die Gewohnheit
abzulegen, auf jede Frage antworten zu müssen oder sonst wie zu reagieren.
Ignorieren Sie alle äußeren Impulse, die Sie vom Thema abbringen können.
Vergessen
Sie Sprichworte wie "der Klügere gibt nach". Andere haben sie Ihnen
beigebracht, damit möglichst oft Sie derjenige sind, der nachgibt. Wer Ihnen
dieses Verhalten beigebracht hat spekulierte darauf, möglichst nicht selbst
derjenige zu sein, der nachgeben muss. Als Trost für den Verlust an
Selbstachtung dürfen Sie sich als der "Klügere" bezeichnen.
Eigentlich wissen Sie aber, dass dies eine selbstgefällige Täuschung ist.
Wenn
fremdsprachigen Bautätigen in Anbetracht Ihrer Anweisungen plötzlich die
Deutschkenntnisse verloren gehen, scheuen Sie sich nicht davor, auf einen
deutschsprachigen Ansprechpartner zu bestehen. In Deutschland ist die
Amtssprache Deutsch. Brechen Sie die Kontrolle ab und untersagen Sie die
Weiterarbeit, bis Sie einen deutschsprachigen Partner bekommen. In Zukunft
werden Sie es leichter haben.
Durch
Lob können Sie Motivation herbeiführen, tragen Sie jedoch nicht zu dick auf,
sonst werden Sie schnell unglaubwürdig. Achten Sie darauf, nicht zu pauschal zu
loben, sondern beziehen Sie sich auf eine konkrete Leistung, mit der Sie
zufrieden sind. Erklären Sie, dass Sie damit zufrieden sind und sich freuen,
dass alle Erwartungen wunschgemäß erfüllt wurden. Zerstören Sie das Lob
nicht anschließend mit nachträglichen Einschränkungen.
Verstöße
gegen Vorschriften werden oft mit der Frage nach dem Sinn der Vorschrift begründet:
"Sie glauben doch nicht wirklich, das deshalb etwas passiert?" Was Sie
als Bauleiter "glauben" ist jedoch belanglos. Vorschriften werden von
Fachnormenausschüssen verordnet und nicht von Ihnen. Eine Diskussion über die
Richtigkeit ist daher bei Ihnen an der falschen Adresse und kommt zu spät.
Einwendungen haben nur vor dem Weißdruck der Norm einen Sinn.
Abweichungen
von Vorschriften werden oft über lange Zeiträume mittels Salami-Taktik
etabliert: Scheibe für Scheibe wird so geringfügig gegen die Vorschrift verstoßen,
daß jeder Verstoß für sich allein kein hartes Einschreiten rechtfertigen würde.
Ohne es richtig zu merken wird die Salami in hauchdünnen Scheiben verzehrt,
d.h. die Vorschrift unterwandert. Korrigieren Sie daher eine bemerkte
Unterwanderung sofort und ohne Skrupel.
Diskussionen
sind zeitraubend und oftmals erfolglos. Kommentarlose Anordnungen zu Korrekturen
und Änderungen führen eher zum Erfolg. Entschuldigen Sie sich nicht für Ihren
Wunsch nach Korrektur oder Änderung. Sie kämen in Versuchung Ihr Verlangen zu
begründen. Solche Begründungen können aber angezweifelt und zerredet werden.
Trotz
der Rauheit der Baustelle sollte man seinen Mitmenschen stets mit Höflichkeit
und Achtung begegnen. Grüßen Sie alle Bautätigen deutlich vernehmbar,
entschuldigen Sie sich, wenn sie einen Termin nicht einhalten konnten, leiten
Sie Ihre Forderungen mit einem "Bitte" ein, sprechen Sie Ihren Gesprächspartner
möglichst mit Namen an. Werden Sie nicht laut, zornig oder lehrmeisterhaft und
kritisieren Sie niemanden vor seinen Untergebenen.
Bauen
Sie Sympathie und Vertrauen auf, indem Sie Gemeinsamkeiten verdeutlichen:
"Mir ist dieser Fehler auch schon mal passiert", "Ich verfluche
diese Verordnung auch immer wieder, aber...". Verwenden Sie das Wort
"wir" und zeigen Sie damit, dass Sie dem anderen helfen und dass Sie
gemeinsam für das gleiche Ziel kämpfen, nämlich für ein einwandfreies
Bauwerk. "Wir müssen die Termine halten", "wir müssen die Wünsche
des Bauherrn erfüllen" usw.
Ist
Ihr Gegenüber mit allen Wassern gewaschen, jemand, der Anweisungen selten
vorbehaltlos ausführt, dann kann es manchmal sinnvoll sein, hart heranzugehen:
Fordern Sie den Abbruch und Neubau der mangelhaften Leistung, auch wenn dies
nicht nötig wäre. Bestehen Sie eine Weile unnachgiebig darauf. Der andere wird
Ihnen jetzt Vorschläge unterbreiten, wie der Mangel auch anders behoben werden
kann. Lassen Sie sich dann "ausnahmsweise" darauf ein.
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